Ratgeber · Immobilienfotografie
Immobilienfotografie Österreich: So holen Sie mehr aus Ihrem Inserat
Käufer entscheiden in der Trefferliste innerhalb von Sekunden, ob sie ein Inserat anklicken. Diese Entscheidung fällt fast ausschließlich über das erste Foto. Gute Immobilienfotos sind deshalb kein Luxus, sondern der Hebel mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung im gesamten Verkaufsprozess.
Von Kevin Volger · Immobilienfotograf · Aktualisiert Juni 2026
Das Wichtigste im Überblick
- →Das erste Foto entscheidet über die Klickrate. Es sollte das Highlight zeigen, nie einen Abstellraum
- →Tageslicht, aufgeräumte Räume und gerade Linien wirken stärker als jede teure Ausrüstung
- →Als Orientierung gelten 15 bis 25 kuratierte Fotos, nicht möglichst viele
- →Professionelle Aufnahmen kosten in Österreich für Wohnungen meist €200–€500, für Häuser mehr
Warum gute Immobilienfotos über den Verkauf entscheiden
Die meisten Inserate verschenken Potenzial. Eine Analyse von 249 hochpreisigen Inseraten auf einem großen Portal ergab 2025, dass nur rund 31 Prozent akzeptable Fotos hatten und etwa die Hälfte mangelhafte (PrimePhoto, 2025, regionale Anbieterstichprobe). Wer hier besser ist als der Durchschnitt, hebt sich sofort ab.
Dass Bildqualität messbar wirkt, zeigt eine Auswertung von Redfin: Objekte mit den schärfsten Fotos (oberste 10 Prozent) verkauften sich in 44 Prozent der Fälle zum Listenpreis oder darüber, gegenüber nur 13 Prozent bei durchschnittlicher Bildschärfe (Redfin, 2013, US-Markt). Eine vielzitierte Branchenauswertung kommt zu dem Ergebnis, dass professionell fotografierte Häuser im Schnitt rund 32 Prozent schneller verkauft wurden, 89 statt 123 Tage am Markt (VHT Studios, 2014, Großraum Chicago).
Diese Zahlen stammen aus dem US-Markt und teils von Anbietern. Sie sind also Hinweise, keine Naturgesetze. Die Richtung deckt sich aber mit der Praxis von Immobilienfotograf Kevin Volger: Sobald ein Objekt mit hellen, sauber aufgenommenen Bildern online geht, steigen die Anfragen spürbar, während dunkle Handyschnappschüsse selbst gute Lagen ausbremsen. Ein Inserat mit guten Bildern bekommt mehr Anfragen, qualifiziertere Interessenten und am Ende oft einen besseren Preis.
Die wichtigsten Tipps für gute Immobilienfotos
Tageslicht nutzen, künstlich nachhelfen
Licht ist der wichtigste Faktor. Fotografieren Sie am hellen Vormittag oder frühen Nachmittag bei diffusem Tageslicht. Öffnen Sie alle Vorhänge und Rollos, und schalten Sie zusätzlich jede Lampe ein, auch tagsüber. Warmweiße Leuchtmittel wirken einladender als kaltes Licht. Defekte Birnen vorher tauschen.
Erst aufräumen, dann auslösen
Die Kamera zeigt jede Unordnung gnadenlos. Räumen Sie persönliche Gegenstände, Kabel, Mülleimer und Pflegeprodukte weg. Eine freie Küchenarbeitsfläche und ein leerer Esstisch wirken sofort größer und ruhiger. Dieser Schritt ist eng mit der Verkaufsvorbereitung verbunden: Wie Sie Räume optimal in Szene setzen, lesen Sie im Leitfaden zum Home Staging in Österreich.
Auf Kamerahöhe und gerade Linien achten
Fotografieren Sie aus Brusthöhe, etwa 1,4 bis 1,5 Meter, nicht aus Augenhöhe. So bleiben die Proportionen natürlich. Halten Sie die Kamera waagrecht, damit senkrechte Linien wie Türrahmen und Wände nicht kippen. Ein Stativ hilft, das Bild ruhig und gerade zu halten.
Weitwinkel mit Maß einsetzen
Ein leichtes Weitwinkel zeigt den Raum großzügig, ohne ihn zu verzerren. Zu starke Weitwinkel lassen kleine Räume künstlich riesig wirken. Das enttäuscht bei der Besichtigung und kostet Vertrauen. Zeigen Sie Räume so, wie Interessenten sie tatsächlich vorfinden.
Den Außenbereich nicht vergessen
Bei Häusern zählt der erste Eindruck von außen. Fotografieren Sie die Fassade bei gutem Wetter, mit gemähtem Rasen und freier Einfahrt. Drohnenaufnahmen lohnen sich bei größeren Grundstücken, da sie Lage und Umgebung zeigen. Bei Wohnungen gehören Balkon, Terrasse oder ein schöner Ausblick mit ins Set.
Die richtige Bildanzahl und Reihenfolge
Mehr Fotos sind nicht automatisch besser. Eine Auswertung von Zillow zeigt einen Sweet Spot bei 22 bis 27 Bildern, während Inserate mit weniger als 9 Fotos eine rund 20 Prozent geringere Verkaufschance innerhalb von 60 Tagen hatten (Zillow Research, 2015, US-Markt). Sehr große Bilderserien verkauften sich sogar langsamer. Für Österreich gilt als praktikable Orientierung: 15 bis 25 aussagekräftige Aufnahmen, sinnvoll sortiert. Beginnen Sie mit dem stärksten Bild, danach Wohnräume, Küche, Bad, Schlafzimmer, zum Schluss Außenbereich und Grundriss.
Smartphone oder Profi-Kamera? DIY oder Fotograf
Für gepflegte Wohnungen in guter Lage kann ein aktuelles Smartphone mit Stativ und HDR-Modus solide Ergebnisse liefern, sofern genug Tageslicht vorhanden ist. Eine Profikamera spielt ihre Stärken bei schwierigem Licht aus: ein größerer Sensor, höherer Dynamikumfang und echtes Weitwinkel ohne Verzerrung machen den Unterschied bei dunklen Räumen, Gegenlicht am Fenster oder hochwertigen Objekten.
Immobilienfotografie: Aufwand und Kosten
Marktübliche Richtwerte Österreich, 2026
Immobilienfotografie Kosten im Überblick. Marktübliche Richtwerte für Österreich, 2026.
Die genannten Beträge sind marktübliche Richtwerte für Immobilienfotografie in Österreich. Eine offizielle Durchschnittsstatistik gibt es nicht, die Spannen dienen daher nur zur Orientierung. Was ein Shooting konkret kostet, hängt von Objektgröße, Region und Leistungsumfang ab (etwa Drohnen-, 360-Grad- oder Grundriss-Aufnahmen) und wird üblicherweise individuell angeboten.
360°-Touren und virtuelle Rundgänge
Virtuelle Rundgänge filtern Interessenten vor und sparen Besichtigungstermine. Eine Studie mit über 143.000 Inseraten kommt zu dem Ergebnis, dass Objekte mit 3D-Tour sich bis zu 31 Prozent schneller und je nach Markt 4 bis 9 Prozent teurer verkauften (Matterport, 2020, Studie mit benannter Methodik, finanziert vom Anbieter). Für hochwertige oder schwer zu besichtigende Objekte ist das ein sinnvoller Zusatz, für die kleine Standardwohnung meist nicht nötig.
Wann sich ein professioneller Immobilienfotograf lohnt
Ein Profi rechnet sich vor allem bei höherpreisigen Objekten, bei Häusern mit Außenbereich, bei schwierigen Lichtverhältnissen und immer dann, wenn ein Objekt bereits länger ohne Erfolg inseriert ist. Bei Beträgen von mehreren hunderttausend Euro Verkaufspreis fällt eine Foto-Investition von ein paar hundert Euro kaum ins Gewicht und amortisiert sich oft schon über einen kürzeren Vermarktungszeitraum.
Für hochwertige Immobilienaufnahmen arbeiten wir mit dem Spezialisten Kevin Volger zusammen, der auf professionelle Immobilienfotografie in Österreich spezialisiert ist und die Praxistipps in diesem Ratgeber fachlich verantwortet.
Jetzt kostenlos inserieren →Rechtliches: Wem gehören die Immobilienfotos?
Das Urheberrecht an den Aufnahmen bleibt in Österreich beim Fotografen. Ohne dessen Zustimmung dürfen die Bilder nicht weiterverwendet werden. Praktisch heißt das: Fotos aus einem früheren Inserat dürfen Sie beim Maklerwechsel nicht einfach übernehmen. Vereinbaren Sie die Nutzungsrechte am besten schriftlich vor dem Shooting. Bei Innenaufnahmen und abgebildeten Personen ist außerdem auf das Bildnisrecht zu achten (Österreich.Immobilien, Maklertipps).
Die häufigsten Fehler bei Immobilienfotos
Drei Fehler tauchen in der Praxis immer wieder auf und kosten messbar Anfragen:
Verwackelte oder dunkle Aufnahmen
Ohne Stativ und ohne ausreichend Licht entstehen unscharfe, flaue Bilder. Sie signalisieren Nachlässigkeit und schrecken Interessenten ab, bevor sie die Lage oder den Grundriss überhaupt wahrnehmen.
Persönliche Unordnung im Bild
Wäscheständer, volle Spülbecken, Schuhberge im Flur: Solche Details lenken vom Raum ab und lassen ihn kleiner wirken. Ein kurzer Aufräum-Durchgang vor dem Shooting bringt mehr als jede Nachbearbeitung.
Falsches erstes Foto
Wer das Inserat mit einem fensterlosen Gäste-WC oder einem Abstellraum eröffnet, verliert den Klick. Das Titelbild sollte immer das stärkste Motiv sein, etwa eine helle Fassade oder der schönste Wohnraum.
Dazu kommen übertriebene Filter und zu starke Weitwinkel. Beides erzeugt Erwartungen, die bei der Besichtigung enttäuscht werden. Ehrliche, aber sorgfältig aufgenommene Bilder verkaufen besser als geschönte.
Häufig gestellte Fragen zur Immobilienfotografie
Für eine durchschnittliche Wohnung liegen professionelle Foto-Shootings meist zwischen €200 und €500 inklusive Anfahrt und Bildbearbeitung. Häuser, Drohnen- oder 360-Grad-Aufnahmen liegen darüber, Paketpreise reichen bis rund €990 und mehr.
Als Orientierung gelten 15 bis 25 aussagekräftige, gut sortierte Bilder. Eine Zillow-Auswertung (2015, US-Markt) fand den Sweet Spot bei 22 bis 27 Fotos, während Inserate mit weniger als 9 Fotos eine rund 20 Prozent geringere Verkaufschance hatten. Wichtiger als die reine Anzahl ist die Auswahl: lieber wenige starke als viele belanglose Aufnahmen.
Für gepflegte Wohnungen mit viel Tageslicht kann ein aktuelles Smartphone mit Stativ und HDR-Modus gute Ergebnisse liefern. Bei dunklen Räumen, Häusern oder hochpreisigen Objekten ist eine Profikamera überlegen, vor allem wegen größerem Sensor, echtem Weitwinkel und besserer Low-Light-Leistung.
Das Urheberrecht bleibt beim Fotografen. Ohne dessen Einwilligung dürfen die Bilder nicht weiterverwendet werden, was besonders beim Maklerwechsel wichtig ist. Klären Sie die Nutzungsrechte schriftlich, bevor das Shooting stattfindet.
Fazit: Gute Fotos sind der günstigste Verkaufshebel
Kein anderer Schritt im Verkaufsprozess bringt für so wenig Geld so viel wie gute Fotos. Sie entscheiden, ob ein Inserat angeklickt wird, und prägen den ersten Eindruck noch vor der Besichtigung. Wer aufräumt, auf Tageslicht und gerade Linien achtet und die richtigen Bilder auswählt, kommt mit einem Smartphone schon weit. Bei höherwertigen Objekten zahlt sich der Profi fast immer aus.
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Kevin Volger
Immobilienfotograf · Volgergrafie
Kevin Volger ist auf professionelle Immobilienfotografie in Österreich spezialisiert und verantwortet die Praxistipps in diesem Ratgeber fachlich. Für hochwertige Aufnahmen arbeitet Selfimmo mit ihm zusammen.
Zur Immobilienfotografie von Volgergrafie →
Thomas Wakolbinger
Konzessionierter Immobilienmakler · GISA 38501128
Gründer von Selfimmo und Geschäftsführer der WATEK Homes GmbH (Hofau 7, 4650 Lambach). Thomas begleitet private Eigentümer beim Immobilienverkauf in Österreich – mit dem Ziel, Verkäufer provisionsfrei und rechtlich abgesichert durch den gesamten Prozess zu führen.
Mehr über uns →Quellenangaben
- Redfin: Professional Real Estate Photos Sell Homes for More, 2013 (US-Markt), redfin.com
- VHT Studios via PR Newswire: Professional Photography Sells Homes 32% Faster, 2014 (Großraum Chicago), prnewswire.com
- Zillow Research: Home Characteristics and Time on Market, 2015 (US-Markt), zillow.com
- Matterport: 3D Tours: Properties Sell 31% Faster and at a Higher Price, 2020, matterport.com
- PrimePhoto: Analyse Bildqualität Immobilienfotos, 2025, primephoto.de
- Österreich.Immobilien: Recht an Immobilienfotos, abgerufen 2026-06-24, oesterreich.immobilien